Geschichte und Gegenwart der Sorben

VERFOLGUNG DER SORBEN IM 3. REICH

Das NS-Vorhaben einer „rassischen Beurteilung der Sorben“
1. Die Wenden sind minderwertig.
2. Die Wenden sind als deutscher Stamm Glied der deutschen Volksgemeinschaft.
Diese Behauptungen widersprechen sich zwar, dienen dann aber doch wieder nur einem Ziel, nämlich der kulturellen Selbstaufgabe der Sorben. Durch NS- Rassenkundler wurde versucht den Sorben eine biologische Minderwertigkeit nachzuweisen, und zwar aufgrund von Blutsanteilen der im Jahre 873 aus der Geschichte verschwundenen turktatarischen Awaren.
1937 wurde eine Volkserhebung zur rassischen Beurteilung der Sorben initiiert, d.h. jedeR EinwohnerIn der Ober- und Niederlausitz musste sich vermessen und untersuchen lassen.

Die drei Phasen nationalsozialistischer Verfolgung der Sorben zwischen 1933 und 1945.

Erste Phase ab Januar1933: offener Terror

Sorbische Vereine wurden verboten, wie der Bauernbund, oder zur Selbstauflösung gezwungen, der Turnverein Sokol, der Wendische Volksrat wurde darüber hinaus gezwungen die Verbindungen zum Verband nationaler Minderheiten in Genf einzustellen.
Die sorbische Tageszeitung „Serbske Nowiny“ wurde ebenfalls verboten und nach Umbesetzung der Redaktion nach einer Woche wiederzugelassen(-> Gleichschaltung). Andere sorbische Zeitungen und Zeitschriften wurden ganz verboten oder ebenfalls zur Gleichschaltung gezwungen.
Bei Personen des sorbischen Kulturlebens fanden Hausdurchsuchungen statt und einige wurden verhaftet. Außerdem kam es zu ersten Zwangsaussiedlungen von Lehrern und Geistlichen, also Personen, die kulturelles Leben vorangetrieben unterstützt, weitergegeben hatten bzw. weitergeben konnten. Veranstaltungen wurden überwacht. Die Domowina in ihren Tätigkeiten stark eingeschränkt.

Zweite Phase ab Juli 1933: Eindeutschungspolitik

Die Nationalsozialisten änderten ihre Taktik aufgrund massiver Proteste, Demonstrationen in der Tschechoslowakei und ein internationales Memorandum über die Lage der Sorben in Deutschland, verfasst von der Gesellschaft der Freunde der Lausitz in Prag und unterzeichnet auch von Schwestergesellschaften in Warschau, Posen, Belgrad, Zagreb und Paris und aus Rücksicht auf die im (slawischen) Ausland lebenden deutschen Minderheiten.
Sorbische Kultur und Sprache sollten ohne direkte Anwendung von Gewalt aus der Öffentlichkeit verdrängt werden. Der deutsche Charakter der Lausitz sollte hervorgehoben werden. Im Kindergarten und in der Schule wurde nur noch Deutsch gesprochen, deutsche Orts- und Flurnamen unterrichtet, sorbisch auch für die SchülerInnen in der Pause verboten. Ab 1936: Sorbisch sprechende LehrerInnen wurden umgesiedelt, und durch „deutschblütige“ ersetzt.
Das jährliches Spreewaldfest der Sorben wurde als ein „lebendiges, starkes Stück des großen deutschen Volkstums“ präsentiert und das sorbische Element geleugnet. Die sorbische Sprache wurde als deutscher Dialekt!!! Angesehen.
Verschärfung ab 1936:
Zeitungen sorbische und deutsche durften nicht mehr über sorbisches Leben berichten, Vorträge über sorbisches Brauchtum wurden verboten.
Begriffe wie „Wenden“ oder „wendisch“ sollten liquidiert werden. Ersetzung von „wendischer Bauer“ durch „Bauer aus der Nieder-/ Oberlausitz“. Offiziell hieß es nun die Wenden seien ein deutscher Volksstamm. Es gab ein Verbot der sorbischen Hymne und Flagge. Die Ortsnamen in der Ober- und Niederlausitz wurden durch deutsche oder deutsch klingende Bezeichnungen ersetzt. Beseitigung der sorbischen Schriftzeichen auf Firmenschildern und Grabstätten. Alles was in irgendeiner Form auf die Existenz der Sorben hindeutete sollte aus der Öffentlichkeit verschwinden. Die Reaktionen der Domowina waren Ortsgruppenorganisation, starke Beteiligung Einzelner, starke Mitgliederwerbung -> Bedeutung der Organisation wuchs an. Es entstand ein breiter Widerstand der sorbischen Bevölkerung. Sie wollten ihre nationale Identität bewahren. Die sorbische Kultur wurde zu einem stimulierenden Faktor im Kampf gegen die Eindeutschungspolitik. Sie stärkte das Selbstbewusstsein und vermittelte das Gefühl nationaler Würde.

Dritte Phase ab 1937: Terror mit dem Ziel der Vernichtung der Sorben

Am 18. März 1937: gänzliches Verbot der Domowina. Verbot, Schließung und/oder Beschlagnahmung aller anderen übrigen sorbischen Zeitungen, Vereine, Gesellschaften. Archive, Bibliotheken, Verlage, Druckereien, Buchhandlungen und des sorbischen Museums. Der Domowina Vorsitzende wurde sogar in ein Konzentrationslager gesperrt, wie auch andere Intellektuelle, politisch anders denkende (Kommunisten) und Führungspersonen (Pfarrer, Lehrer).
Himmler: zur „Behandlung der Fremdvölkischen im Osten“ im Mai 1940: Die Sorben und andere slawische Völker sollten als „führerloses Arbeitsvolk unter der strengen und gerechten Leitung des deutschen Volkes berufen sein, an dessen ewigen Kulturtaten und Bauwerken mitzuarbeiten“.
Der Schulbildung wurde massiv eingeschränkt: Rechnen bis 500. Schreiben des eigenen Namens. Kein Leseunterricht.
Es gab erneute Zwangsaussiedlungen und Verhaftungen von Pfarrern/Geistlichen, Lehrern, Vorsitzenden der Domowina, dem Zutritt zu seiner Heimat gänzlich verweigert wurde. Sorbische Intellektuelle mussten außerhalb der Lausitz Arbeitsdienste antreten als z.B. GärnterIn z.T. unter Polizeiaufsicht.
Weihnachten 1940 war in Nazikreisen davon die Rede, „daß die gesamte Wendei evakuiert wird.“ Die gesamte sorbische Bevölkerung der Lausitz sollte in andere deutsche Gebiete umgesiedelt werden. Die Wende im zweiten Weltkrieg, nach der Schlacht bei Stalingrad, ließ dieses Projekt in Hintergrund treten und blieb somit den Sorben erspart.

Sorbischer Widerstand im zweiten Weltkrieg:

Die Sorben hatten keine Untergrundorganisation oder vollbrachten spektakuläre Aktionen, sie protestierten durch kleiner aber durchaus wirkungsvolle Aktionen. Wie etwa die Hilfe für Kriegsgefangene und „Ostarbeiter“, die ja aus den slawischen Nachbarländern kamen. Sie unterstützen sie mit Lebensmitteln und Kleidung, verbreiteten Rundfunkmeldungen, aßen zusammen, unterstützen die Fluchtvorbereitungen und warnten vor bevorstehenden Kontrollen. Einige bezahlten den Widerstand gegen den Nationalsozialismus auch mit dem Leben.

Die Sorben heute:

Es leben ca. 50000 - 60000 Sorben in der Niederlausitz und in der Oberlausitz. Sie sind die zahlenmäßig stärkste Minderheit in Brandenburg. Die Sprache gliedert sich in die obersorbische Schriftsprache auf Grundlage des um Bautzen gesprochenen Dialektes, mit tschechischen verwandt, in Sachsen, sind katholisch und in niedersorbisch in der Niederlausitz auf Basis des Cottbusser Dialektes, mit polnischen verwandt, in Brandenburg, sind evangelisch. Im Grenzgebiet von Ober- und Niedersorbischen Gebiet ist Übergangsdialekt entstanden, der Elemente beider Sprachen vereint.
Nicht alle Sorben sind konfessionsgebunden
Es gibt verschiedene sorbische Vereine, z.B. den DOMOWINA- Bund Lausitzer Sorben e. V.
- 13.10.1912 als Dachverband sorbischer Vereine, in Hoyerswerda gegründet
- 1937 von Nationalsozialisten verboten, nach 2. Weltkrieg neu gegründet
- mit der Wende umstrukturiert und erneuert
Das Ziel der Domowina heute: „demokratische nationale Interessen aller Sorben/ Wenden im Freistatt Sachsen, im Land Brandenburg und außerhalb der Lausitz zu vertreten, die sorbische/ wendische Sprache und Kultur zu Pflegen und zu entwickeln“. Der Bundesvorstand der Domowina wird demokratisch gewählt und repräsentiert alle Schichten und Interessengruppen des sorbischen/ wendischen Volkes.
Er unterstützt verschiedene Projekte und besteht heute aus ca. 4000 Mitgliedern. Des Weiteren gibt es ein WITAJ- Sprachenzentrum, das für die Erhaltung der sorbischen Sprache sorgt. Das beginnt bereits in der Kindertagesstätte (1998 1. sorbische KITA).
Bei den Sorben gibt es verschiedene Sitten und Bräuche:
- vor allem an Feiertagen (Weihnachten, Ostern)
- Winter- u. Frühlingsbräuche wie die Vogelhochzeit, wendische Fastnacht (Zapust), Osterfeuer (reinigende Wirkung), Ostereierbemalen, Osterwasser und Hexenbrennen, Maibaumaufstellen und –werfen
- Erntebräuche wie Hahnrupfen, Hahnschlagen (Hahn Fruchtbarkeitssymbol), Stoppelreiten, Kranzstechen
Die Mädchen tragen dazu Trachten, tägliches Erscheinungsbild vor allem bei älteren Generationen (Frauen u. Mädchen), auch heute entstehen vielerorts Trachtenvereine  Trachten sind ein großer Identitätsfaktor.
Rechtliche Grundlagen für die Sorben bilden der Artikel 25 der Brandenburger Landesverfassung: Recht des sorbischen Volkes auf Schutz, Erhaltung und Pflege seiner nationalen Identität sowie seines angestammten Siedlungsgebietes, sowie das1994 beschlossene „Gesetz zur Ausgestaltung der Sorben/ Wenden im Land Brandenburg. Doch die Abbaggerung von Horno spricht dagegen, seit ´99 wurden 60 Dörfer zerstört und die Menschen von dort zwangsumgesiedelt in Neubaugebiete.

Literaturliste:

Kurze Geschichte der Sorben, Peter Kunze, Domowina- Verlag 1995

Die katholische Kirche und die Sorben 1919-1990, Thomas Kowalczyk, Domowina- Verlag 1999

Durch die Jahrhunderte, Peter Kunze, VEB Domowina- Verlag 1979

Protokolle: Die Sorben/Wenden in Deutschland und nationale Minderheiten in Europa, Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, Brandenburgische Universitätsdruckerei und Verlagsgesellschaft Potsdam mbH 2000

Sorten Serbja Ein kleines Lexikon, Herausgeber Manfred Thiemann, VEB Domowina- Verlag 1989

Wer mehr über die Sorben erfahren möchte, kann dies unter www.ski-berlin.de tun.
Das ist der Auszug aus einem Referat über die Sorben. Gehalten im November 2004.